Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Zu Herrn Robra. Caspar David Friedrich nach Westen, nach New York zu tragen, ist absurd. Denn Caspar David Friedrich hat sich immer nach Osten orientiert. Der Rationalismus, der aus dem Westen kam und damals von Napoléon und Frankreich verkörpert wurde, dieser überhebliche Rationalismus war ihm zuwider. Caspar David Friedrich hat das Irrationale gesucht, das Rätselhafte, das Unergründliche, die Tiefe des deutschen Wesens.

Dann zu der Aussage von Herrn Robra, Caspar David Friedrich hätte sich immer nur und stets friedlich und pazifistisch geäußert   das ist großer Blödsinn. Er war natürlich so friedlich und tolerant wie die AfD.

(Lachen bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Aber wenn es darum geht, gegen einen Unterdrücker Abwehr bereit zu sein, dann konnte er auch loslegen. Als Beispiel für seinen Duktus gebe ich Ihnen den Titel, den er einem Bild gegeben hat, einem eher unscheinbaren Waldgemälde. Er hat es genannt: „Rüstet Euch heut noch zum Kampf, Teutsche Männer, heil Euren Waffen!“  So viel dazu.

(Zustimmung bei der AfD)

Dann zu Herrn Hövelmann: Nicht im Stil von Caspar David Friedrich. - Sie haben es nicht verstanden. Sie waren nicht in der Lage, unseren Antrag zu verstehen.

(Holger Hövelmann, SPD: Das stimmt! Das stimmt! Das habe ich nicht verstanden!)

„Nicht im Stil von Caspar David Friedrich.“ - Wir wollen keine Kopisten heranbilden, sondern sie sollen das Ansinnen, das Caspar David Friedrich verfolgen wollte   er wollte deutsch sein  , auf die Höhe der Zeit heben. Deshalb haben wir keine Festlegung auf gegenständliche Kunst oder sonst eine Stilrichtung getroffen.

(Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE)

Der Maler muss nur einen deutschen Stil ausbilden wollen, wie auch immer er aussehen mag. Er muss auf der Höhe der Zeit sein. - Das dazu.

Wer war das mit Goethe?

(Florian Schröder, AfD: Hövelmann!)

Herr Hövelmann, genau, Sie kamen auch mit Goethe. Sie haben die deutschen Romantiker aufgezählt und haben Goethe unter deutsche Romantiker verbucht.

(Matthias Büttner, Staßfurt, AfD, lacht)

Allein das zeigt uns, dass Sie von deutscher Geistesgeschichte und deutscher Literatur überhaupt keine Ahnung haben. Denn Goethe war der Antiromantiker, den man sich überhaupt nur denken kann.

(Holger Hövelmann, SPD: Schauen Sie sich einmal den frühen Goethe an!)

Dass die Linken verzichtet haben, wundert mich überhaupt nicht. Denn wenn es wirklich einmal tiefer um Kultur geht, haben die Linken nichts zu sagen.

Herr Silbersack! Gerade dann, wenn niemand mehr so etwas wie deutsche Kunst anstrebt und niemand mehr den Willen hat, eine Malerei zu schaffen, die eine deutsche Schule begründet oder deutsche Stileigentümlichkeiten hat, dann ist es doch genau an der Zeit dafür, mit einem Preis einen Anreiz in diese Richtung zu setzen. Sie haben im Grunde für uns argumentiert.

Dann kamen Sie mit dem Bauhaus. Ich bitte Sie, das Bauhaus ist - das sage ich einmal ganz ungeschützt - von einer abgrundtiefen Hässlichkeit und hat Bausünden verbrochen; es ist unerträglich anzuschauen.

(Zustimmung bei der AfD - Sebastian Striegel, GRÜNE: Dass die Nazis gegen das Bauhaus hetzen! - Zuruf von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)

Natürlich hängt sich eine Politik, die keinen Sinn für das Schöne mehr hat, am Bauhaus auf. Das versteht sich natürlich.

(Unruhe)

Herr Aldag, dass Sie natürlich nicht wollen, dass es wieder so etwas wie eine deutsche Kunst und Kultur gibt, versteht sich von selbst.

Zum Schluss hieß es von der CDU: Wir würden Missbrauch mit Caspar David Friedrich treiben. – Pustekuchen!

(Zuruf von Holger Hövelmann, SPD - Wolfgang Aldag, GRÜNE: Das zeigt doch immer Ihre Reaktion hier, dass Sie das missbrauchen!)

Ich habe in der Vorbereitung auf diese Rede mehrere Biografien von Caspar David Friedrich studiert. Ich habe viele Texte von ihm gelesen. Ich kann mit Fug und Recht sagen: Er würde auf uns schauen; er wäre sehr zufrieden mit uns und stolz auf diesen Antrag.